Godulla, Karl

 

 

 

*        8.11.1781, Makoschau (b. Hindenburg)
       6.07.1848, Breslau
(Kirche zu Schomberg)

 

 

Er wurde am 8.November 1781 in Makoschau (bei Hindenburg O/S.) als viertes Kind des Gutpächters und „Waldbereuthers" Josef Godulla geboren und ist, 67 Jahre alt, am 6.7.1848 im Hotel zur Goldenen Gans in Breslau als „Zinkkönig" und Erblasser eines Millionenvermögens gestorben.

(Quelle: http://www.podstawa.de/godullager.html)


 Sohn eines Jägermeisters und Pächters in Makoschau, Oberschlesien geboren. Im Jahre 1807-1808 übernahm er die Verwaltung der gräflich Ballestrem´schen Güter und Industriebetriebe. Sein Wissensdrang veranlasste ihn schon in jungen Jahren chem. Experimente vorzunehmen. Als fähiger, offener Kopf mit geschäftlicher Tüchtigkeit und Umsicht war er den Zeitgenossen weit voraus. Im gräflichen Walde Ruda- Süd entdeckte er feuerfesten Ton den er bergbaumässig abbaute. Die fabrikationsmässige Herstellung von metallischem Zink aus Galmei, einem Erzvorkommen in Oberschlesien legten den Grundstock für sein späteres großes Vermögen. Er baute Zinkhütten, erwarb Gruben und Land und konnte sich bald zu einem Großindustriellen emporarbeiten. Bei seinem Tode besaß er 80 Zinkwerke, 4 Zinkhütten, 48 Kohlengruben und 7000 Morgen Land. Trotz seines Reichtums blieb der "Zinkkönig" fleißig, sparsam und bescheiden: Obwohl er ein Schloss in Schomberg besaß, bewohnt er bis zu seinem Tode ein Kleines Häuschen aus Holz in Ruda. Ihm hat Oberschlesien zu danken. Karl Godulla starb 1848 in Breslau.

Pionier przemyslu cynkowego na Górnym ´Sląsku / Jan S. Dworak. - Wyd. 2. - Opole : Inst. ´Sląski [u.a.], 1995. - 171, [30] S. : zahlr. Ill., graph. Darst.
Dt. Besprechung u.d.T.: Karol Godula - Pionier der Zinkindustrie in Oberschlesien. - Quellen- u. Literaturverz. S. 142 - [149]
ISBN 83-7126-061-X

Quelle: http://www.echoslonska.com/0205/historia/020506hs_PeterSczepanek_GodullaundderAnfang.htm

Godulla und der Anfang der oberschlesischen Industrie

Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte der Aufbau der oberschlesischen Industrie die höchste Blüte. Großen Anteil daran hatten deutsche Industrielle wie: von Donnersmarck, von Pless, Baildon oder Winckler. Unter ihnen befand sich auch Karl Godulla, der es durch seine Arbeit, Wissensdurst und Tatendrang vom Forstburschen zum Industriellen gebracht hatte und damit ungeheuren Reichtum erwarb.
Für den Bedarf der oberschlesischen Industrie waren viele Arbeitskräfte nötig. Aus Deutschland konnten sie nicht geholt werden, weil dort zur gleicher Zeit die Industrie sich auch entwickelte. Auf diese Weise blieb nur der Osten - und tatsächlich strömten aus dem damaligen Polen, welches unter dem russischem Joch litt, viele Arbeiter nach Oberschlesien.
Aus meinem Buch „Oberschlesien - anders”:

„ Die Aufnahme in Ruda im Jahre 1831”

Recht frühzeitig brach der Winter im Jahre des Herrn 1831 über Oberschlesien hinein. Schon in den ersten Oktobertagen machte sich unangenehmer Forst bemerkbar, und gleich darauf fiel der erste Schnee. Bewohner dieses spärlich besiedelten Landes im Kreise Tarnowitz froren unheimlich, denn karg war die Erde und gering der Lohn, den die Grafen Donnersmarck auf Neudeck (Swierklaniec) und der Oberamtmann Karl Godulla, welcher seinen Sitz in Ruda O/S hatte, ihren Bauern und Arbeitern zahlten.

„Harte Arbeit - karger Lohn” waren die Grundsätze jener beiden so gut wie einzigen Arbeitgeber in Oberschlesien der damaligen Zeit. Besonders Karl Godulla, welcher in seinem arbeitsreichen Leben jenen Grundsatz auf eigener Haut verspürte. Er, der es von einem Nichts zum großen Reichtum brachte, hatte den Ruf eines Geizhalses und Menschenschinders. Unheimliche Gerüchte waren über diesen sonderbaren Menschen im Umlauf.

„Godulla habe mit dem Leibhaftigen einen Bund geschlossen„ flüsterten die Alten und „der Teufel gehe bei ihm ein und aus” redete man in den Gaststuben. Wenn Godulla sich hier und da auf der Straße sehen ließ, bekreuzigten sich die Leute, als wären sie dem „ Gott-sei-bei-uns” begegnet.

Trotz des großen Reichtums, den Godulla besaß, bewohnte jener seltsame Heilige ein ganz einfaches, mit einem Strohdach gedecktes Bauernhaus in Ruda. Zu seinem einzigen Umgang zählte nur sein Kutscher und eine schon betagte Köchin, die für seinem Haushalt sorgte.

Noch in den späten Nachstunden brannte im Hause Godullas ein Licht, ein Beweis dafür, dass der Hausherr bei seiner Arbeit saß. Es war eine einfache Wachskerze, für zwei Groschen beim Juden Posener gekauft. Karl Godulla war von seiner Arbeit förmlich besessen. Er zählte zu einem der reichsten Menschen Preußens und gleichzeitig zu einem der sonderbarsten. In seinen Bergwerken, Hütten und Feldern arbeiten in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts fast 8000 Menschen, für die damaligen Zeit eine ungeheure Zahl.

Godulla war sehr anspruchsvoll. Vor allen Dingen gegen sich selber und daher auch seinen Mitarbeitern und Untergebenen gegenüber. Er verlangte von allen seinen Arbeitnehmern die gleichen Eigenschaften, die er selbst besaß. Also Arbeitsfreude, Sparsamkeit, Sauberkeit, Disziplin und freundliche Umgangsformen sowie Enthaltung von alkoholischen Getränken.

Während eines Oktobertages das Jahres 1831 waren die Einwohner der Stadt Kattowitz Zeugen eines seltsamen Ereignisses. Eine größere Anzahl preußischer berittener Gendarmen bewachten einen großen Menschenhaufen auf dem Stadtring Menschen, die wie aus einer anderen Welt erschienen. In furchtbar zerlumpten Kleidern gab es viele Frauen und Kinder zu sehen.

Hunger, Entbehrung und Angst schaute aus ihren Augen. Hier und da hörte man Kinder laut weinen. Doch die größte Aufmerksamkeit lenkten Männer jeden Alters auf sich, die in alten, zerrissenen und heruntergekommenen Uniformen einen verzweifelten Eindruck machten. Krieger aus längst vergangenen Zeiten. Mit Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit blickten sie herum und pressten ihre Frauen und Kinder an sich.

Der Anblick jener Menschengruppe war so erbarmungsvoll, dass manche Einwohner der Stadt Kattowitz in lautes Weinen ausbrachen, denn aus jenem elendem Menschenhaufen ertönte eine Sprache, die ihnen auch bekannt war.

Mit großer Besorgnis schauten die Polen auf kleine Gruppen von 5 bis 7 Menschen, denen man von weitem schon ansah, dass sie die Notabeln der Stadt darstellten, denn hier wurde auch über ihr Schicksal entschieden. In dieser Gruppe zeichnete sich insbesondere ein stattlicher Hüne von ungefähr 30 Jahren aus, der hier das Wort zu führen schien. Das war Friedrich Grundmann, königlicher Inspekteur der Stadt Kattowitz in Industrieangelegenheiten und ein guter Vertrauter Franz Wincklers.

Nun muss hier hervorgehoben werden, dass am 29. November 1830 in dem von aller Welt bezeichneten Kongresspolen, das unter russischer Oberherrschaft stand, ein Volks- und Militäraufstand ausbrach, der gegen die russische Zarenherrschaft in Polen gerichtet war. Der Zar Nikolaus I., der gleichzeitig König von Polen war, warf diesen Aufstand auf rücksichtslose und blutige Weise nieder. Nach der Niederwerfung musste ein großer Teil der Polen, die unmittelbar an diesem Aufstand beteiligt waren, fluchtartig ihr Land verlassen, von Kosaken verfolgt. Auf ihrem Fluchtweg stand ihnen nur der Westen offen.

Die aus ungefähr 400 Menschen bestehende Gruppe hatte in der vorhergehenden Nacht widerrechtlich die preußische Grenze bei Myslowitz überschritten und suchte bei den Preußen Schutz vor russischer Willkür und Rache.

Zwischen allen Menschen auf dem Kattowitz Ring machte sich schon eine kleine Unruhe bemerkbar. Die Stadtväter konnten noch zu keinem Einverständnis gelangen, und schon wurde es dunkel.

Endlich hat Friedrich Grundmann ein altes Weinfass bestiegen und wandte sich an die polnischen Ankömmlinge.

Grundmann versprach ihnen ab sofort Hilfe, Unterkunft, Arbeit und Brot auf preußischer Erde im Namen des Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm III. Außerdem hob er hervor, dass niemand die Flüchtlinge in russische Hand ausliefern werde, was große Freude und Erleichterung unter den Menschen auslöste.

Gleichzeitig wandte sich Grundmann an die Einwohner der Stadt mit der Bitte, jene Flüchtlinge vorläufig bei sich aufzunehmen, bis die ganze Sache nach preußischem Recht und Wesen geregelt sei. Auf einen Wink Grundmanns trat die preußische Gendarmerie zur Seite, und im Nu vereinigten sich die Flüchtlinge mit den Einwohnern der Stadt. Held des Tages war natürlich Friedrich Grundmann. Viele Frauen drängten sich zu ihm hin, um vor Freude und Dankbarkeit seine Hand zu küssen, was der Amtmann natürlich verwehrte. Im Handumdrehen war der Ring menschenleer, und fröhlich vereinte Menschen zogen nach allen Richtungen der Stadt.

Nach der Registrierung und ärztlicher Untersuchung sandte Grundmann eine Abteilung von ungefähr 50 kräftigen Ankömmlingen mit ihren Frauen und Kindern zur Arbeit in die nahe liegende Königshütte, die zur damaligen Zeit schon mit Volldampf arbeitete. Ein anderer Teil jener Patrioten wurde in die Laurahütte geschickt, und einen anderen nahm der junge schottische Ingenieur John Baildon in seine Hütte, die noch im Aufbau war, auf. Alle erhielten auf der Stelle Wohnung eine gewisse Summe blanker Taler für die Einrichtung und weiterhin gut bezahlte Arbeit. Niemand von ihnen dachte an die elende Vergangenheit zurück. Aus denen, die noch keine Arbeitszuteilung hatten, bildete Grundmann noch zwei Gruppen.

Eine wurde zu Franz Winckler nach Mechtal im Beuthener Kreis geschickt, die andere zu Karl Godulla nach Ruda. An die Spitze einer jeden Abteilung stellte Grundmann einen Beamten der Bergbaubehörde in Tarnowitz, die mit einem Begleitschreiben ausgerüstet in seinem Auftrag mit diesen beiden Arbeitgebern verhandeln sollten.

Franz Winckler in Mechtal nahm die Ankömmlinge mit offenen Armen auf. Er brauchte Arbeitskräfte für die eben in Gang gesetzte Elisabethgrube bei Bobrek und für den Bau einer neuen Kohlengrube in Mechtal. Gleichzeitig fing Winckler mit dem Bau einer Arbeitersiedlung, eines Krankenhauses und einer Volksschule in Kauf an. Noch am gleichen Tage erhielten alle Flüchtlinge aus dem Osten warme Wohnungen und Arbeit, je seiner Kraft und Bildung angemessen.

Weniger Glück hatte die zweite Gruppe, die nach Ruda versandt wurde. Schon in Kattowitz hatte man viel über die seltsamen Gerüchte gehört, die um die Person Godulla im Umlauf waren. Kein Wunder, dass alle mit Besorgnis ihrem Schicksal entgegensahen.

Vor dem verrufenen Bauernhaus in Ruda angekommen, erschien niemand, um sie zu begrüßen und in Empfang zu nehmen. Vom Kutscher aber, der im nahen Bach seine Pferde tränkte, erhielten sie die Auskunft, dass Godulla zu Hause war. Jener Tarnowitzer Bergbaubeamte, der Godulla doch gut kannte, konnte sich auch nicht einer innerlichen Angst erwehren, als er über die Schwelle jener ”Teufelshütte” trat und Godulla, ohne ein Wort zu sagen, das Grundmannschreiben überreichte, denn der Amtmann war kein Freund von Begrüßungsreden.

Ohne ein Wort zu verlieren, überflog Godulla das Schreiben und knurrte den Beamten an: „Grundmann hat hier nichts zu sagen, doch seine Schützlinge will ich mir mal ansehen”. Voll banger Erwartung standen die Angekommenen vor der Hütte und warteten der Dinge, die da kommen sollten. Endlich öffnete sich die Tür, und es erschien ein hagerer Mann von ungefähr 50 Jahren, ganz in Schwarz gekleidet. Sein linker Arm hing taub und leblos herab, das linke Bein war steif und schien wie gelähmt. Er hatte einen hinkenden Gang und wurde deswegen „Stelzfuß„ genannt. Ein großer schwarzer Schlapphut verdeckte seine linke Gesichtshälfte über die eine breite, blutige Narbe lief. Nur sein rechts Auge funkelte unheimlich.

In seiner rechten Hand hielt Godulla einen derben Knotenstock, mit dem er sich recht oft, wie einst der Alte Fritz, sein Recht verschaffte. Mit prüfendem Auge überblickte Godulla den elenden Menschenhaufen, der vor Angst und Bange zitternd vor ihm stand und konnte sich eines Mitleids nicht erwehren. Unter seinem abstoßenden äußerlichen Wesen hatte Godulla doch ein gutes und mitleidiges Herz. Besonders die hilflosen Kinder hatten es ihm angetan, den für jedes hilflose Wesen hatte Godulla stets Hilfe bereit. Sein Krückstock zeigte auf die Männer in ihren zerlumpten Uniformen und fragte „Von wo kommen diese daher, das sind wohl Überreste aus dem Siebenjährigen Krieg”. „Nein, Herr Oberamtmann” antwortete der Beamte. „Es sind polnische Kämpfer für Recht und Freiheit gegen zaristische Willkür und Despotismus, die gezwungen waren, ihr Land zu verlassen”.

„Was heißt hier Recht und Freiheit?”, Godulla sprach mit krächzender Stimme.

„Recht und Freiheit sind nur leere Worte und jeder Mensch hat von den Begriffen eine andere Vorstellung”.

„Er scheint davon überhaupt keine Ahnung zu haben.

Außerdem bin ich gegen jeden Unruhestifter und Aufwiegler in einer schon aufgestellten Staatsordnung.”

Der so Angeredete wagte keine Antwort jenem Gewaltigen gegenüber, denn Godulla war auch sein Arbeitgeber.

Nun wandte sich Godulla unmittelbar an die Wartenden: „Ihr seid alle bei mir aufgenommen, und ich werde in kurzer Zeit wissen, was für einen Wert ihr darstellt. Bei mir aber bestimme ich Recht und Freiheit. Wer nicht pariert, wird auf der Stelle hinausgeworfen. Hier wird jeder nur nach Arbeit und seinem Benehmen beurteilt. Wer tüchtig und arbeitsam ist, kann es bei mir zu etwas bringen und gesoffen wird bei mir auch nicht. Wer dem Alkohol ergeben ist, kann auf der Stelle verschwinden”.

Nach diesen Worten erteilte Godulla dem Bergbaubeamten weitere Anweisungen über das Schicksal seiner neuen Untertanen und verschwand wieder in seiner Hütte. Auf diese Weise fanden polnische Freiheitskämpfer des Novemberaufstandes von 1830 in Oberschlesien eine neue Heimat, die sie nicht mehr verließen.

Ihre Kinder und Kindeskinder „verschmolzen” im Laufe der Zeit mit der einheimischen Bevölkerung und wurden treue Untertanen des Preußenkönigs. Sie trugen viel zum Aufbau der oberschlesischen Industrie bei, und ihre Nachkommen leben als „Górno-Ślązaki” im oberschlesischen Industriegebiet bis auf den heutigen Tag.


Godullas Häuschen

 

 Großindustrieller. Der preußische Zinkkönig, wie er auch bezeichnet wurde, war einer der Pioniere der Entwicklung Oberschlesiens zum deutschen Bergbau- und Industriezentrum.

Leben und Wirken

Godulla wuchs als Sohn eines Jagdhüters in bescheidenen Verhältnissen auf und begab sich in die Dienste des Grafen von Ballestrem, der den intelligenten, ehrgeizigen und geschäftstüchtigen jungen Mann förderte.

1807 wurde Godulla zum Verwalter der Güter und Betriebe des Grafen ernannt, 1818 stieg er zu dessen Bevollmächtigen auf.

Mit 28 Freikuxen der Karlshütte in Ruda, die Godulla vom Graf von Ballestrem zum Dank erhielt, begann seine unternehmerische Karriere. Bald besaß er eigene Steinkohlengruben, Galmeibergwerke und Hütten. Karl Godulla führte neue Aufbereitungsverfahren ein und begann auch mit dem Abbau von feuerfestem Ton bei Ruda.

1826 wurde Godulla auch Besitzer des Rittergutes Schomberg-Orzegow in Oberschlesien.

Durch die Einführung der industriellen Gewinnung von Zink aus den reichen Galmeierzvorkommen Oberschlesiens erlangte er ein großes Vermögen. Godulla ließ Zinkhütten errichten und neue Bergwerke aufschließen.

Als er starb, gehörten ihm 80 Zinkbergwerke, 4 Zinkhütten sowie 48 Steinkohlengruben. Hinzu kam noch ein beträchtlicher Landbesitz.

Godulla galt als sparsamer Mensch, der lieber in seinem Holzhäuschen in Ruda als in seinem Schloss Schomberg wohnte. Er war sehr arbeitsam und gönnte sich wenig Ruhe und legte diese Maßstäbe auch für seine Angestellten und Arbeiter an, dabei ging er konsequent gegen Faulheit und die unter den oberschlesischen Bergarbeitern verbreitete Trunksucht vor.

Karl Godulla blieb kinderlos und unverheiratet. Er nahm das Arbeiterkind Johanna Gryczik an Kindes statt an.

Nach seinem Tode wurde er in der Kirche zu Schomberg beigesetzt.

Seine Adoptivtochter Johanna Gryczik von Schomberg-Godulla heiratete später den Grafen Hans-Ulrich von Schaffgotsch. Aus dem Imperium des Karl Godulla entstand schließlich die Gräflich Schaffgotsche Grubenverwaltung.

Nach ihm wurde der Rudaer Ortsteil Godullahütten (poln. Godula) benannt.

Literatur

  • Lutz Graf Schwerin von Krosigk: Die große Zeit des Feuers. Der Weg der deutschen Industrie. Bd.1

  • Hans Nowak: Zink wird Gold. (Karl Godulla als Romanfigur)

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Carl G o d u l l a

Auszug aus der Dr. Urbanek'schen Arbeit "Carl Godulla und sein Werk"


Die Gräflich Schaffgotsch'sche Werke G.m.b.H. ist eine der wenigen großen deutschen Bergwerksunternehmungen, die heute noch im Familienbesitz stehen. Das legt ihr in besonderem Masse die Verpflichtung auf, sich ihrer Herkunft und Geschichte bewusst zu werden. Die Beschäftigung mit diesem Thema ist umso reizvoller, als sich die Entstehung der Werke als eine der wirklich großen und einheitlichen Wirtschaftskonzeptionen in Deutschland und ihr Gründer Carl Godulla auf Grund der kürzlich abgeschlossenen eingehenden Forschungen von Herrn Dr. Urbanek als ein Industrieller ganz großen Formats erweist.

Was wusste man bisher von Godulla ?

Verhältnismäßig wenig aus urkundlicher Forschung, am meisten aus den vielen im oberschlesischen Volke umlaufenden und in die Literatur eingegangenen mehr oder minder phantastisehen Legenden, wonach er ein aus Polen stammendes Waisenkind, allein der Pest entronnen, ein herrschsüchtiger Spekulant, ein geiziger Geldraffer und Wucherer, ein verkrüppelter Sonderling und menschenfeindlicher Einzelgänger, ein zauberischer Alchimist und Verächter der göttlichen und menschlichen Bindungen, kurz der Leibhaftige selber gewesen sein sollte, der dann im Jahre des deutschen Bürgeraufstandes 1848 an der Cholera unselig dahingefahren sei.

Auch für ein industrielles Unternehmen ist es keine Annehmlichkeit, seinen Ursprung derart verunstaltet zu sehen und alljährlich zu erleben, wie auch ernsthafte Stellen derartige Tollheiten einfach deshalb für erwiesen halten und weiter verbreiten, weil sie bisher nicht, genügend klar widerlegt worden sind.

Man möchte meinen, dass wenigstens in der von unserer Verwaltung 1908 (im Privatdruck) herausgegebenen „Festschrift zur goldenen Hochzeitsfeier auf Schloss Koppitz" und in dem im wesentlichen auf der darin gegebenen Darstellung beruhenden Auf Satz „Carl Godulla" in der sonst autoritativen Biographiensammlung: „Schlesische Charakterbilder" eine wahrheitsgetreue Würdigung Godullas gegeben sei. Aber auch diese Darstellungen sind am Oberflächlichen haften geblieben. Sie haben zwar gewisse Betriebsdaten und Grundlinien klargelegt, über die bedeutende Persönlichkeit Godullas, seine Lebensgeschichte und sein Werk aber nur wenig Licht verbreitet.

Auch die neuen Forschungen sind noch in mancher Beziehung lückenhaft. Sie haben aber der alten Darstellung gegenüber den eminenten Vorzug, dass sie grundsätzlich auf urkundlichen Feststellungen beruhen, trotzdem aber der Überlieferung insoweit Raum bieten, als sie mit der historischen Wahrheit vereinbar erscheint.

Jetzt zu Godulla selbst !

Er wurde am 8.November 1781 in Makoschau (bei Hindenburg O/S.) als viertes Kind des Gutspächters und „Waldbereuthers" Josef Godulla geboren und ist, 67 Jahre alt, am 6.7.1848 im Hotel zur Goldenen Gans in Breslau als „Zinkkönig" und Erblasser eines Millionenvermögens gestorben.

Woher die Familie Godulla stammt, ist noch wenig erforscht. Der Name kommt noch heute im östlichen Schlesien zuweilen vor und wird im Codex diplomaticus Silesiae schon im Jahre 1391 erwähnt, in dem Herzog Johannes von Troppau und Ratibor den Verkauf eines Grundstückes der Brüder Martin. Michel und Mathis Gdula von Rybnig an den Abt Peter von Ruddin (Rauden) bestätigt. Eine gewisse polnische Presse reklamiert Godulla als einen der Ihrigen, der sich nur unwillig der preußischen Herrschaft gefügt habe. Dass dem nicht so gewesen ist, erhellt daraus, dass Godulla schon in jungen Jahren seinen Namen als erster entsprechend der deutschen Schreibweise mit 2 L geschrieben hat. Die vielen von ihm erhaltenen Schriftstücke sind ausschließlich in flüssigem, stilvollem Deutsch geschrieben. In dem auf uns gekommenen Verzeichnis seiner Bücherei ist unter sehr vielen wissenschaftlichen und schöngeistigen deutschen Büchern nur ein polnisches, nämlich das „Leben der Heiligen" aufgeführt. Er war 1813 in Beuthen Kommissar für die Landwehr, bei der sein jüngster Bruder Ernst mit 16 Jahren freiwillig eintrat, war 1841 der geistige Leiter einer Huldigung der oberschlesischen Industrie vor dem König, war Kreisdeputierter von Beuthen, Ritter des Roten Adler-Ordens und mit vielen deutsche Männern seiner Zeit befreundet.

Sein Vater Josef Godula, 1748 geboren, war mindestens in der Zeit von 1775 'Jis 1793 Pachter des Gutes Makoschau, auf dem ihm die Kinder Marianna, Johanna, Franziska und Karl geboren wurden. In jeder der Taufurkunden erscheint „Augustus von Werner, Sr. Exzellenz des Herrn Generalleutnant von Werner Herr Sohn" als Pate, dar.eben werden genannt die Töchter Johanna Beata und Juliana Susanna des Herrn George de Ziemetzky auf Makoschau, Jeannette, des Herrn Louis von Schimonsky auf Gross-Paniow Fräulein Tochter und Augustina Geierin, Kammerjungfer der Frau Generalin von Werner. Die Eltern Godulla waren demnach offenbar tüchtige und angesehene Leute. Alle drei Töchter haben sich gut verheiratet (Lengsfeld, Gottwald, Neuwerth) und eine zahlreiche Nachkommenschaft gehabt.

Mindestens von 1793 bis 1797 sind die Eltern Godulla dar Gutspächter in Klein-Gorzitz bei Ratibor, wo das letzte Kind Ernst geboren wird. Paten sind der Gutsherr Kürassieroberst v. Kaminietz und seine Gemahlin Sophie geb. v. Eichendorf.

Noch später haben die Eltern Godulla das den Schwestern vom Heiligen Geist in Ratibor gehörende Gut Gaschowitz bei Rybnik in Facht gehabt. Nach der Säkularisierung des Gutes im Jahre 1810 ist Pranziska Godula Anfang 1813, Josef Godula 181(.) in Gaschowitz gestorben. Es ist mir gelungen, das sehr schöne Biedermeiergrabmal von Godullas Mutter, dessen Inschrift kaum noch leserlich war, auf dem alten Kirchhof von Lissek aufzufinden. Es zeigt am Obelisk ein Medaillon mit der Darstellung eines Pelikans, der seine Jungen mit dem Herzblut speist, ein Symbol der Mutterliebe. Das Grabmal ist offenbar von Karl Godulla gesetzt worden.

Über Godullas Mutter Franziska ist uns bekannt, dass sie 1753 in Wieschowa "bei Beuthen als Tochter des deutschen Schulmeisters Anton Eanisch geboren worden und dort selbst 1773 mit dem „Jägermeister Josef Godula aus Makoschau" getraut worden ist. Weitere Vorfahren konnten noch nicht ermittelt werden.

Mit der rührenden Legende3 dass Karl Godulla als allein stehendes Waisenkind aus der Gegend von Czenstochau nach Oberschlesien gekommen sei, ist es also nichts. Eben sowenig trifft es zu, dass er als herumziehender kleiner schmutziger Bursch bei Tost zwei jungen Grafen Ballestrem die durchgehenden Pferde zum Stehen gebracht und darauf als Jäger in deren Dienste übernommen worden sei. Herr Rektor Franzke in Schomberg hat vor kurzem nämlich die glückliche Entdeckung gemacht, dass unser Karl Godulla „aus Klein Gorzitz" von 1793 bis 1798s also bis zu seinem 18. Lebensjahr die vorzügliche Klosterschule in Räuden besucht hat. Somit nimmt uns denn der gute Stil und der vorzügliche Duktus der Schrift in Godullas Briefen nicht mehr wundere

Aus der Zeit von 1798 bis 1802 ist uns über Godullas Tätigkeit nichts überliefert. Völlig sicher ist aber, dass er 1802-21 Jahre alt- in den Dienst des damals 53 Jahre alten Grafen Karl Franz Ballestrem auf Plawniowitz getreten ist, der zweifellos Godullas Entdecker war, diesem andererseits aber auch die - Vervielfachung seines Vermögens zu verdanken hat.

Der Überlieferung nach, war Godulla in der ersten Zeit als Jäger oder Gutsbeamter in Plawniowitz tätig. Glaubhaft erscheint auch die Geschichte, dass er dort im Kampf mit Wilderern zum Krüppel geschlagen worden sei und einen Arm verloren habe. Über die körperliche Verunstaltung Godullas sind sich alle Quellen einig, in ihr sind eicher auch die psychologischen Ursachen für sein Einzelgängertum, wohl aber auch die Triebkräfte für seine rastlose, verbissene Arbeit zu suchen.

Schätzungsweise um 1807 wurde Godulla Verwalter der Gräflich Ballestrem'schen Güter Ruda, Biskupitz und Rudahammer mit der dazu gehörigen Brandenburg-Steinkohlengrube und der Eisenhütte Ruda-Hammer. Er war ein vorzüglicher Landwirt und hat im Höhepunkt seines Schaffens etwa 8000 Morgen bewirtschaftet. Seine Leidenschaft wurde jedoch bald die industrielle Betätigung.

Zink, Blei, Eisen und Silber sind in Oberschlesien von alters her gewonnen worden, auch Kohle als gelegentliches Nebenprodukt des Forstbetriebes. Giesche war aus der friderizianischen Zeit her das führende Industrieunternehmen. Der preußische Fiskus hatte bereits 1788 auf der Friedrichsgrube bei Tarnowitz die erste Watt'sche Dampfmaschine des Kontinents, mit Kohle befeuert, aufgestellt, die Goethe als oberster Weimar'scher Bergbeamter 1790 besichtigte. In Jakobswalde (zwischen Gleiwitz und Cosel) war seit 1656 bereits ein Messingwerk in Betrieb, in dem eingeführtes Kupfer mit dem oberschlesischen Zink zu Messing legiert wurde. Der Schritt zur Großindustrie war aber noch nicht getan.

Da entdeckte Ruberg, ein fürstlich anhalt-plessischer Hüttenbeamter, um 1800 das in China schon längst bekannte und von England eifersüchtig bewachte Geheimnis der Herstellung von metallischem Zink aus oberschlesischem "0fenbruch", also aus dem in den Hochöfen der Eisenhütten ansetzenden zinkhaltigen Bisenschwamm, für den bis dahin keine Verwendungsmöglichkeit bestand. Der damals 25-jährige Oberbergamtsreferendar Dr. Karsten dehnte das Verfahren der Abdestillierung des Zinks in Muffelöfen 1807 auf Galmei aus und gab damit den Anstoß zu der stürmischen Entwicklung, aus der Godulla sein Lebenswerk formte. Die neue Erfindung brachte die Verlegung der Zinkverarbeitung in das steinkohlenreiche Oberschlesien mit sich und erschloss damit der Kohle erst einen rentablen Absatz.

Hier setzt Godullas industrielles Wirken ein.

Er bestimmt den Grafen Ballestrem, schon 1812 (allerdings nach Pless, Fiskus und Giesche) bei Ruda die Verhüttung von gekauftem Galmei aufzunehmen. Das nach dem Grafen Carl Carls-Zinkhütte genannte Werk überflügelt dank Godullas kaufmännischem Geschick bald alle Konkurrenten. Der Graf erkannte bald die überragenden Fähigkeiten seines "Oberamtmanns" und schenkte ihm 1815 in feierlicher Form 28 von den 128 Kuxen des Hüttenwerks, beteiligte ihn also mit mehr als einem Fünftel an den sich bald einstellenden Gewinnen gegen die Verpflichtung, den Betrieb der Hütte gewissenhaft zu führen. Aus einem Dienstvertrag vom Jahre 1816 erfahren wir, dass Godulla damals mit 35 Jahren schon alle Ballestrem'sehen Güter und Industriebetriebe verwaltete, nach dem heutigen Sprachgebrauch also "Generaldirektor" war. Er bezog außer sehr reichlichen Deputaten ein Jahresgehalt von 200 Reichsthalern, eine Tantieme vom Verkauf von Getreide, Roheisen,, Kalkstein und dem wertvollen Rudaer Ton und ferner, was besonders interessiert, unentgeltlich den gesamten zinkhaltigen "Ofenbruch" des Rudaer Eisenwerks.

Hier haben wir wohl den wahren Sem der Erzählung gefunden, nach der Godulla den Grundstock zu seinem Vermögen damit gelegt haben soll, dass er von seinem Dienstherrn gewisse bis dahin wertlose Schlackenhalden für billiges Geld gekauft und dann als vorzügliches Einsatzgut für die neuen Muffelöfen teuer verwertet habe. Wahr an der Geschichte ist also offenbar nur, dass Godulla den "Ofenbruch" eines kleinen Eisenwerks zum Geschenk erhielt zu einer Zeit in der man längst gelernt hatte, die Muffelöfen mit Galmei zu beschicken

Wir werden wohl richtig annehmen, dass Godulla sein Vermögen nicht aus dem so genannten "Schlackengeschäft", sondern aus seinem Gehalt und den guten Erträgnissen der Carls-Zinkhütte begründet und es mit äußerster Sparsamkeit für seine großen Zukunftspläne zusammengehalten hat.

In welchem Masse Godulla seinem gräflichen Herrn unentbehrlich geworden wars ersieht man aus dessen Testament vom Jahre 1819, in welchem er dem Oberamtmann lebenslängliche Anstellung zusichert und seine goldene Uhr und seine Kutschpferde vermacht. Für den Fall, dass der Nachfolger im Majorat Godulla nicht im Dienst behalten sollte, wird diesem das volle Gehalt als Pension und die Verwaltung der Radaer Güter nebst Wohnung im Radauer Schloss zugesichert. Die Godulla gegenüber eingegangenen Verbindlichkeiten wurden sogar als Belastung der Rosenberger Güter grundbuchlich sichergestellt. Als Graf Karl Franz Ballestrem 1822, 73 Jahre alt, starb, war Godulla einer der beiden Testamentsvollstrecker.

Die Urkunde über die Schenkung der Carlshütte-Kuxe ist Godullas Freibrief geworden. Er ist auch an den späteren Erweiterungen jeweils mit 28 Kuxen beteiligt geblieben und hat die Erträgnisse in wahrhaft meisterlicher Weise zur Gründung des späteren Schaff gotseh'sehen Industriebesitzes, angelegt.

Auf den Grafen Karl Franz folgte 1822 der 67 Jahre alte Graf Karl Ludwig Ballestrem, der bereits 7 Jahre später starb. Unter ihm tritt Godulla nicht mehr als Oberamtmann, sondern als Ballestrem'scher Generalbevollmächtigter auf, was er auch unter Graf Karl Wolfgang bis an sein Lebensende geblieben ist.

Der erste Schritt Godullas» ein eigenes Bergwerk zu muten, missglückte. Die Verleihung der im Jahre 1817 gemuteten Galmeigrube "Nachbarswille" wurde versagt mit der Begründung, dass das Vorkommen in dem geplanten staatlichen Reservatfeld liege. Nachdem Godulla 1821 für den Grafen Ballestrem zu dessen 9 Steinkohlenfeldern 5 weitere mit der damals höchstmöglichen Ausdehnung von l,l qkm gemutet hatte, glückte ihm das beste Geschäft seines Lebens: er mutete am 17-Juli 1822 zusammen mit dem Breslauer Kaufmann und Besitzer des Gutes Miechowitz, Franz Aresin, das Galmeibergwerk Maria, das im Jahre 1823 verliehen wurde. Obwohl Godulla sicher allein als Finder des reichen Lagers anzusprechen, ist, erhielt er nur 61 von den gesetzlich vorgeschriebenen 128 Kuxen, während Herrn Aresin nach damaligem Recht als dem Besitzer des Gutes, auf dem die Fundgrube lag, 63 Kuxe, der Kirche, Schule, Knappschaft und Armenkasse 4 "Freikuxe" zufielen. Diese Bevorzugung des Grundherrn hat Godulla sicher in erster Linie zu dem späteren Grunderwerb im Schomberg-Orzegower Bereich bewogen. Gewiss hat aber auch schon, die Absicht mitgesprochen, dem künftigen Bergbau die riesigen Vorteile zu sichern, die im Besitz der Erdoberfläche liegen.

Godulla startete just zur rechten Zeit.

Die Zinkindustrie nahm seit der Ruberg'schen Erfindung einen rapiden Aufschwung. 1806 waren in Oberschlesien 20 000 Zentner Rohzink erzeugt worden, 1825 waren es schon 250.000. 1822 gab es erst 6 Zinkhütten und 6 Jahre später bereits 35. Die Mariagrube, die sich bald als die reichste nach der Giesche'schen Scharlei-Grube herausstellte, konnte für ihre Erze also sofort reißenden Absatz finden. Das oberschlesische Zink wurde per Achse nach Deschowitz und von dort auf der Oder vor allem nach England verschifft. 1822 nahm allein Ostindien 80 000 Zentner oberschlesischen Zinks auf.

Auch die Berggesetzgebung hatte sich 1821 endlich dieser Entwicklung angepasst, indem die auf einen Fund hin verleihbare Feldesgröße, die bis dahin lächerlich klein war, auf 1,1 qkm festgesetzt wurde. In der Praxis liess sich die Bergbehörde jedoch nur dann zu einer so grossen Feldesverleihung bestimmen, wenn der Muter das Vorhandensein eines Mineralvorkommens von so weiter Erstreckung wahrscheinlich machen konnte. Die Akten lassen die hervorragende Meisterschaft Godullas erkennen, in fast allen Fällen das größtmögliche Grubenfeld herauszuschlagen.

So war denn auch die Mariagrube mit einer Fundgruba und 1200 Maassen verliehen worden. Sie ist1 die eigentliche Kernzelle des Godulla'schen Industriebesitzes. Noch heute kann man, wenn man von Beuthen nach Westen geht, zwischen Karf und Miechowitz, etwa in Höhe unserer Gräfin Johanna-Schachtanlage, die mächtigen Halden der erst 1891 stillgelegten Grube sehen.

Den Namen gab ihr die wegen ihrer Schönheit gefeierte Frau Maria Aresin„ die einzige Tochter des mährischen Kaufmanns Domes, seit 1812 Besitzerin des Gutes Miechowitz. Als ihr Mann 1831 starb, hinterließ er ihr die reiche Maria-Grube. Zwei Jahre später heiratete sie einen Freund ihres Mannes, den 30-jährigen Schichtmeister Winckler, der aus seiner Ehe mit Alwine Kalide, der Schwester des berühmten oberschlesischen Bildhauers Kalide, die 4-jährige Tochter Valeska mitbrachte. Winckler wurde als einer der besten Köpfe im damaligen Oberschlesien 1840 in den erblichen Adelsstand erhoben. Valeska erbte das gewaltige Winckler-Aresin'sche Vermögen und wurde 1854 durch Heirat mit Leutnant Tiele die Stamm-Mutter der Grafen Tiele-Winckler, deren industrieller Besitz also auch auf die Mariagrube zurückgeht.

Godulla hat mit seinem Nachbar Winckler bis an sein Lebensende die Erträgnisse der Mariagrube in bestem Einvernehmen geteilt. 1823 vereinbarten die beiden Industriellen dass die Galmeiproduktion an die dem Oberamtmann gehörige Zinkhütte „Neue Zeit", oder, da diese Hütte noch nicht erbaut sei, an die Ballestrem-Godulla'sche Carls-Zinkhütte eingeliefert werden sollte. Godulla trug sich damals also schon mit dem Gedanken, ein eigenes Hüttenwerk zu gründen; doch kam die "Neue Zeit-Hütte" über das Projekt nicht hinaus.

Auch im Jahre 1822 mutete Godulla neben der Mariagrube die kleinere Elisabethgrube, die im Wert später die zweitbeste werden sollte. Da die Fundgrube in der Feldmark Bobrek lag, fiel das Halbscheid, das heisst die Hälfte der Kuxe, der Besitzerin von Bobrek, Frau Oberamtmann Elisabeth Scupin zu, nach der die Grube auch benannt wurde. Da Frau Scupin die für die Aufschließung der Grube erforderlichen Zubussen nicht aufbringen konnte, fielen ihre Kuxe schon 1827 durch Kaduzierung an Godulla.

Godulla hatte recht getan für die Carls-Zinkhütte eine Erzbasis zu schaffen. Denn bald nach 1825 trat der auf eine so sprunghafte Entwicklung notwendig folgende Rückschlag. Der Zinkpreis fiel -angeblich durch englische Börsenmanöver- von 30 Talern im Jahre 1822 binnen 3 Jahren auf 11 Taler. Die Rohzinkerzeugung sank von 1825 bis 1831 von 250.000 auf 100.000 t herab. Wer jetzt nicht fest im Sattel saß und die eigene Zinkhütte aus dem eigenen Bergwerk beliefern konnte, war verloren. Ausgerechnet in dieser Krise, nämlich 1824 und 1826, erhöhte die Bergbehörde die "Galmeitaxe" wesentlich, das heißt, sie setzte den Verrechnungswert des Galmeis für die Zwecke der in Händen der Bergbehörde liegenden Buchführung so hoch fest, dass die Gruben zwar noch verdienten, die Hütte aber nur mit Verlust arbeiten konnten. Hier schlägt Godulla in einer Eingabe an das Ministerium vor, den alten Zopf abzuschneiden und für die Hütten und Gruben gemeinsam, von dem tatsächlichen Erlös des Zinks ausgehend, den wirklichen Verdienst der einzelnen Produktionsstätten zu ermitteln und zu versteuern. Der gute Vorschlag kam nicht durch; er ist aber ein prachtvolles Beispiel dafür, wie gerecht Godulla empfand und wie sehr er seine Interessen als Grubenbesitzer hinter die Belange dar Allgemeinheit zurückzustellen bereit war. Die damals von Godulla entwickelten Gedanken entsprechen ganz dem heutigen Empfinden.

Die Erfahrungen mit den Gruben Maria und Elisabeth hatten Godulla gezeigt, welche ungeheuren Vorteile der Grundbesitzer bei der Verleihung von Bergwerkseigentum genoss. So sehen wir ihn denn bald, auf seinem Weg folgerichtig weiter schreitend, um den Erwerb von Gütern im Raume zwischen Beuthen und Orzesche bemüht, dessen unerhörter Mineralreichtum ihm ahnungsvoll bewusst war.

Der erste Streich fiel 1826 mit der Ansteigerung des 2500 Morgen grossen Rittergutes Schomberg-Orzegow zum Spottpreis von 41 000 Talern» nämlich 2/3 der behördlichen Taxe. Das Gut hatte in den letzten 50 Jahren den Besitzer 9mal gewechselt (Jeannert, Welezek,, Hochberg, Gruttschreiber, Ohlen) noch 1812 über 80 000 Talar gekostet und war dann in der nachnapoleonischen Zeit unter Frau Oberamtmann Petzsch versteigerungsreif geworden, um Godulla als Goldgrube in die Hände zu fallen.

Direkt oder indirekt kam Godulla durch das Gut in den Besitz der Zinkhütten Gute Hoffnung und Morgenrot (diese gab später dem Bahnhof Morgenrot den Namen) und der kleinen Stein Kohlenfelder Stein, Sonnenblume und Rosalie, letztere mit der amüsanten Note, dass das Grundeigentümerhalbscheid 1829 durch Kaduzierung an Godulla fiel, weil Simon Friedlaender, ein Vorgänger der bekannten Kohlenhandelsfirma, die Zubusse von 154 Talern nicht aufbringen konnte. Hier sei eingefügt, dass Moritz Friedlaender Godullas Bankier war.

Im Gutswalde von Schomberg lag auch die altberühmte, aber schon 1820 „totgefahrene", das heißt aufgegebene Steinkohlengrube „König David", aus der Georg v. Hochberg auf Veranlassung des Freiherrn v. Heinitz um die Zeit von Goethes Besuch die Kohlen für die „Feuermaschine" nach Tarnowitz lieferte, noch vor der staatlichen Königsgrube in Königshütte.

1829 mutete Godulla auf eigenem Grund und Boden die Orzegow Steinkohlengrube, die ihm nach 5 Jahre langem Kampf in voller Grosse verliehen wird. Dieses Bergwerk führte übrigens nach Godullas Tode, als es bereits in voller Förderung stand und 61 000 Taler wert war, zu einer Klage der Balleatrem'schen Familie gegen den Godulla'schen Nachlass auf Abtretung der angeblich zu Unrecht erlangten größeren Hälfte des Grubenfeldes. Die Sache lag so: Nach dem Tode des Grafen Karl Ludwig im Jahre 1829 blieb die Witwe mit 2 groß- und 4 minderjährigen Kindern, letztere im Alter von 20 bis 25 Jahren, zurück. In gerichtlicher Verhandlung hatten die Ballestrem'sehen Erben 1830 einige auf Rudaer Gebiet liegenden Mutungen, insoweit sie Godullas Mutung Orzegow behinderten, an diesen abgetreten. Weder der aufnehmende Richter noch Godulla hatten beachtet, dass Godulla dabei hinsichtlich der 4 minorennen Kinder, deren Vormund er war, mit sich selbst kontrahierte. Nach einigem prozessualen Hin und Her kam um 1856 ein Vergleich zustande, in dem der Godulla'sche Nachlass alle Rechte gegen Zahlung von 30 000 Talern behielt.

Nach dem Tode des Grafen Karl Ludwig übernimmt Godulla die Güter Ruda-Biskupitz, deren Verwalter er bis dahin gewesen war, in Pacht. An seinem Verhältnis zu der gräflichen Familie ändert sich im übrigen bis zu seinem Tode nichts. Schon 1821 ist Godulla in einer Giesche'schen Denkschrift als „Zinkkönig" bezeichnet, obwohl er noch nichts anderes war als Leiter der Carlshütte. Jetzt ist er ein ganz freier Herr, Gutsbesitzer und Industrieller, erfüllt von der Idee, ein unverwüstliches Montanreich auf einem Boden zu schaffen, dessen Möglichkeiten er und nur er wirklich erfasst hatte.

4 Jahre widmet Godulla dem Ausbau seiner Positionen. Dann beginnt der ununterbrochene Strom seiner Erwerbungen, zunächst scheinbar regellos, dann aber eine so geniale Planmäßigkeit und Grosszügigkeit erkennen lassend, dass die segensreichen Wirkungen erst bei der industriellen Expansion des 20. Jahrhunderts richtig zu Tage traten.

Im Rahmen meines Vortrages können von jetzt ab nur noch die grossen Entwicklungslinien gezeigt werden, obwohl die Einzelheiten voll Reiz sind. Die Merkpunkte sind die Erwerbungen der Güter Bujakow (1838), Bobrek (1842) und Chudow mit Klein-Paniow (1847 bis 50), die 177.000 Taler kosten und den Grundbesitz auf über 10.000 Morgen bringen.

Beim Ankauf von Bujakow (3.000 Morgen groß) übernimmt Godulla 18.500 Taler intabulierte Pfandbriefe als Schuldner, was deshalb hervorgehoben zu werden verdient, weil es das erste und einzige Mal war, dass er nicht voll in bar zahlte. Wenn jemand kreditwürdig war, so war er es. Er verschmähte das verführerische Mittel des Kredits jedoch voll Weisheit, und sicher liegt hier eine der Wurzeln seines Erfolges.

An das Gut Bobrek, das nur vorübergehend von Schomberg getrennt gewesen war, kommt Godulla erst 1842 nach dem Tode der Frau Elisabeth Scupin, die uns schon als Patin der Elisabethgrube bekannt ist. Aber der Erwerb gelingt nicht ganz. Er muss das Vorwerk „Elisenruh" einer der Erbinnen, Frau Hauptmann Rüdenberg, lassen, die mit erstaunlichem Scharfblick erkannt hatte, welches Wertobjekt sie in der Hand hielt. Wir wissen, wie sehr Godulla diese Lücke im kunstvoll zusammengesetzten Mosaik seiner Güter und Bergwerksfelder bis an sein Lebensende gewurmt hat, und wissen heute mehr denn je, wie sehr er damit recht hatte: die Vormundschaft versäumte die Gelegenheit, Elisenruh 1856 aus dem Nachlass der Frau Rüdenberg zu kaufen. Die Hüttengesellschaft „Vulkan" konnte deshalb das Vorwerk für 26.000 Taler erwerben und auf ihm -an der neuen Eisenbahn die Julienhütte bauen, die seither als Pfahl in unserem Fleische sitzt. Das Gut Bobrek erfüllte im übrigen Godullas Hoffnungen am reichlichsten. Es ist seit 1910 von der Gräfin Johanna-Schachtanlage, der größten deutschen Steinkohlengrube, erschlossen. Und schon 1869 brachte es großen Gewinn ein durch Verpachtung eines Eisenerzlagers an die Familie Borsig für die runde Summe von 180 000 Talern. Ebenso wie in Ruda wurde auf Bobreker Grund ein berühmter Muffelton gewonnen, der mehr als die ganze Landwirtschaft einbrachte.

Von den Gütern Bujakow und Chudow aus mietete Godulla ein großes Steinkohlenareal, das bis jetzt das schier unerschöpfliche Zukunftsgebiet der polnischen Tochtergesellschaft darstellt. Das 2.500 Morgen große Gut Gross-Paniow wurde erst 1850 nach Godullas Tod aus Posadowski'schem Besitz zur Abrundung angekauft.

Der Erwerb der Güter war für den „Zinkkönig" nur Mittel zum Zweck, nämlich zum Bau seines unterirdischen Mineralreichs. Er wohnte bis an sein Lebensende in dem einfachen, aber-, wie wir jetzt wissen, vorzüglich eingerichteten Gutshaus von Ruda, Obwohl bereits 1845 sein neues Repräsentationsschloss in Schomberg fertig gestellt worden war. Das Geld für seine Unternehmungen brachten ihm die Zinkbetriebe, die zu vermehren er jede Gelegenheit wahrnahm. Seine eigene Gründung war 184J die Bobrek-Hütte9 die 1885 stillgelegt wurde, aber an der Strasse von Bobrek nach Borsigwerk noch heute zu erkennen ist. Die seinen Namen tragende riesige Carl Godulla-Zinkhütte (im heutigen Ort Godullahütte) ist erst 1854 nach seinem Tode gegründet worden, als nach Fortfall der Beteiligung an der Ballestrem'schen Karls-Zinkhütte und bei ansteigender Konjunktur neben den alten Hütten eine moderne Zentralhütte nötig wurde.

In der Zeit von 1850 bis 1900 haben die Zinkbetriebe zusammen 15 Millionen Mark Überschuss abgeworfen, bis sie mit der Jahrhundertwende völlig erschöpft waren.

Was macht Godulla. mit seinen Betriebsüberschüssen ?

Er vergrößert stetig seinen Industrie- und Landbesitz, gibt an klug gewählten Stellen Darlehen -z. B. an die Fürstin Sulkowski auf Slupna - das ist aber eine lange Geschichte für sich - und hält sich durch einen verhältnismäßig sehr großen Pfandbriefbesitz dauernd flüssig und krisensicher. Seine Fixe Idee ist aber der Erwerb von Steinkohlenfeldern. Als erster bricht er mit der damals allein üblichen Art, gelegentlich bald hier bald da ein Grübchen zu muten und mit ein paar Bergleuten als Nebenbetrieb einer Hütte zu betreiben. Er weiß um die Flächenbeständigkeit des schwarzen Minerals und rechnet, was sonst keinem seiner Zeitgenossen gegeben ist, in den Ausmaßen der kommenden kapitalistischen Entwicklung. Die alten Akten zeigen uns, dass der Steinkohlenbergbau zu Godullas Zeit fast nur Zubussen, schwere Opfer erfordert hat. Trotzdem streckt Godulla in meisterhafter Taktik bis an sein Ende Feld um Feld und schafft damit einen riesigen Besitz, dessen Wert auch von der nachfolgenden Generation erst recht erkannt wird, als er sich gerade richtig zur Zeit des Erlöschens der Zinkbetriebe zur jetzigen Größe entfaltet. Wir können es heute kaum begreifen, dass die Nachlassverwaltung die von Godulla eingelegten Steinkohlenmutungen, die die verbliebenen „weißen Flecke" ausfüllen sollten, nur widerwillig zu Ende führte, immer aus der Idee heraus, dass die von Godulla gemuteten Steinkohlenfelder sowieso praktisch unerschöpflich seien. Das Winckler'sche Angebot, auf dem Gebiet der Mariagrube gemeinsam Kohle zu erbohren, wird von dem Vormund Scheffler abgelehnt, so dass der Konkurrent in den Besitz dieses wertvollen Gebietes kommt, das Schaffgotsch dann 1926 als das „Karfer Feld" angekauft hat. Nur dem tüchtigen Bergwerksdirektor Koehler ist es zu verdanken, dass auf Bobreker Grund die Romanus-Mutungen durchgeführt werden, die jetzt ein bestandbildender Teil der Gräfin Johanna-Schachtanlaere sind. Und vollends toll erscheint es, wenn ausgerechnet der auf den Godulla'schen Gruben tätige staatliche Schichtmeister Joschonek 1854 die auf Schomberger Grund gelegene Hohenzollerngrube muten kann, deren Halbscheid dann allerdings 1865 von Dr. Otto Friedlaender an die Gräfin Johanna Schaffgotsch verkauft wird. Noch um 1880 ist - allerdings in einer Krisenzeit - die Meinung für Kohle so gering, dass ein Verkauf der Hohenzollerngrube an Friedlaender ernsthaft erwogen und die Cleophasgrube an Giesche verkauft wird.

Auch in den Personenkreis um Godulla lassen die Akten ein wenig hineinsehen. In Anton Gemander, einem alten Bekannten aus Plawniowitz, hat Godulla einen tüchtigen Verwalter seiner Güter. Seit 1820 führt ihm die Wirtschafterin Emilie Lukas in Ruda den Haushalt, die ihm, wie es in den Akten heißt, immer „treu und redlich gedient" hat. Fräulein Lukas hat dann nach Godullas Tod vier Jahre den Nießbrauch von des ganzen hinterlassenen Vermögen gehabt. Sie war es, die im Jahre 1845 die damals gerade vaterlos gewordene dreijährige Johanna Gryzik zu sich nahm und dem Kind, wie es in der amtlichen Erziehungsurkunde heißt, „aus Mitleid Verköstigung gewährte." Fräulein Lukas hat sich später mit Anton Gemander verheiratet und war mit diesem Besitzerin des Gutes Belk bei Rybnik, wo Johanna Gryzik wohl auch den Grafen Schaffgotsch kennen gelernt hat.

Godulla war seit 1840 Kreisdeputierter von Beuthen. Er hat 1841 maßgebenden Einfluss auf das Zustandekommen der Huldigung der oberschlesischen Industrie vor König Friedrich Wilhelm IV. gehabt, und seine Stimme hatte Gewicht, wenn es darum ging, die gemeinsamen Interessen der krisengeschüttelten Zinkindustrie zu vertreten. Die Geschäftsfreunde kommen nicht selten nach Ruda und werden gut bewirtet; ein Verzeichnis der großen Vorräte an edlen Weinen, Silber, Kleidern und Inventar (einschließlich eines "Staatswagens") ist in den Nachlassakten enthalten.

Aber ein Sonderling ist er geblieben bis an sein Lebensende. Seine Härte gegen sich und andere ist bekannt. Menschlich versöhnt uns mit den harten Seiten seines Charakters seine vorbildliche Gerechtigkeit, sein sozialer Sinn (so setzte er seinen Beamten und Arbeitern ausdrücklich "bis herab zum Hütejungen" ein Legat von 50.000 Talern aus), seine Tierliebe und die Hinneigung zu der kleinen Johanna, die er, auf dem Sterbebett vom Notar ?m einer Erklärung gedrängt, spontan zu seiner Universalerbin einsetzt mit der Begründung, dass dies Kind der einzige Mansch sei, dem es je gelungen sei, sein Herz zu gewinnen.

Godulla ist weder an der Pest noch an der Cholera, sondern an einer langwierigen Steinkrankheit gestorben; dass er schon viele Jahre zu leiden hatte, kann man aus den vielen medizinischen Werken schließen, die sich in seinem Nachlass fanden. Ferner ist schon aus dem Jahre 1826 eine einmonatige Reise zur Brunnenkur in Bad Salzbrunn bekannt, die wohl nicht die einzige blieb.

Die Gründe für Godullas Reise nach Breslau, auf der er starb, können noch mit ziemlicher Sicherheit bestimmt werden. In den Jahren 1847 und 1843 wütete in Oberschlesien nach verschiedenen schlechten Ernten der Hungertyphus. Der berühmte Arzt Virchow, der mit einer Ministerialkommission zur Bekämpfung der Seuche in daa Elendsgebiet entsandt worden war, hat uns eine erschütternde Schilderung seiner Beobachtungen hinterlassen. In den Kreisen Pless und Rybnik starb in eineim Jahr etwa jeder sehnte Mansch. 23 Ärzte erkrankten oder starben. Der staatliche Apparat war einem derartig grossen Unglück gegenüber zu schwerfällig. Es wurde erst besser, als ein Breslauer Kommittee unter dem Prinzen Biron von Kurland und Professor Kuh helfend eingriff. Aber auch diese beiden Männer fielen dem Typhus zum Opfer; der Prinz starb 1843 in Rybnik.

Als Folge der Seuche traten offenbar auch politische Unruhen auf, die Godulla zwangen, sich zunächst für kurze Zeit auf sein Schloss Schomberg zurückzuziehen. Bekannt ist auch, dass er sich damals in Bsuthen eine Wohnung gemietet, sie dann aber nicht bezogen hat.

Wie hoffnungsfreudig Godulla noch Anfang I848 war, zeigt der Ankauf von 46 Georgine-Kuxen zu dem ausserordentlich hohen Preis von 9 200 Talern. Wohl im April ist er dann - teils wegen der politischen Lage, vorwiegend aber wohl wegen seiner Krankheit- mit einem ganzen Tross und Pfandbriefen im Werte von mehr als 150 000 Talern nach Breslau gefahren. Dort hat er, von 6 Ärzten behandelt, in dem Hotel zur Goldenen Gans in der Junkernstrasse 4 Monate, immer noch Dienstgeschäfte versehend, schwer gelitten und am 6.Juli I848 seinen Geist aufgegeben. Seine Gebeine wurden 1909 vom Adalbert-

Friedhof in Breslau nach Schomberg überführt, wo sie jetzt auf Heimaterde ruhen, in seinem heiss erkämpften Grubenreich. Wenn die Gräflich Schaffgotsch'schen Werke heute blühen und trotz der schweren Einbussen durch die polnische Grenzziehung in der oberschlesischen Montanindustrie an erster Stelle stehen, so ist dies, wie man aus der historischen Betrachtung sieht, das unmittelbare Verdienst ihres Gründers. Er war, das wird der Vortrag gezeigt haben, ein Mann, der mit seiner gansen starken Persönlichkeit seinem Werk gedient hat. Wenn Oberschlesien vom armen Agrarland zu Deutschlands zweitgrösstem Industriegebiet geworden ist, so hat Godulla daran sein gerütteltes Mass von Verdienst. Solange sein aufrechter Geist weiter in den Werken wach bleibt, sind sie ihres Fortbestandes sicher.