Grützner, Eduard Ritter von (seit 1916)

 

 

 

*      26.05.1846, Groß Karlowitz (Grottkau)
†       2.04.1925, München  (auch 3.4.)

 

 

 

Maler.

Schüler von F. Piloty in München. Genrebilder klösterliches Leben. Trinkbilder mit Mönchen. Falstaff.

 
Im Klosteratelier, um 1890
Öl auf Holz, 62 x 76 cm
Grützner, Eduard Ritter von


OS im Bild, 1936 / 21

Seit 1886 Professor an der Münchner Kunstakademie. Genremaler, der vorwiegend humoristische klösterliche Szenen darstellte. Künstlerisch geprägt durch Wilhelm Busch und Karl Spitzweg.

Ein Maler von ganz besonderem Genre
Eduard Grützner - von Uli Singer
Andechs - Wer ist nicht schon einmal im gemütlichen Grützner -Stüberl im Kloster Andechs gesessen? Dort, wo gelegentlich ein Fernsehteam zu Gast ist, um die "Gespräche auf dem Heiligen Berg" mit Pater Anselm Bilgri aufzuzeichnen? Genau in diesem ehrwürdigen Gewölbe war um die Jahrhundertwende, als es noch "Bräustüberl" hieß, Eduard Theodor Ritter von Grützner Stammgast. Ein Maler und Karikaturist von ganz besonderem Genre. Denn anders als bei Malern üblich, musste er nicht auf Käufer warten. Sie standen Schlange und rissen ihm, kaum fertig gestellt, die Werke aus der Hand. Was das Geheimnis von Eduard Grützners großen und nachhaltigen Erfolgen ausmachte: Neben seiner Gabe, Menschen treffend zu karikieren, besaß er auch eine gehörige Portion Humor.


"Am 26. Mai des Jahres 1846 wurde einem Bauern in Groß-Karlowitz in Schlesien zu dem nicht vorhandenen Überflusse auch noch ein siebentes Kind geboren - und das war ich", schreibt Grützner in seiner Biografie, die 1922 erschienen ist. "Ganz erbärmlich schwächlich muss ich ausgesehen und derart zweifelhaft diese Welt angeblinzelt haben, dass man sich schon um einen Sarg umsah und mich eiligst taufte aus lauter Sorge, ich könnte als Heide wieder verduften."
Grützner trotzte dem Tod und verlebte eine aufregende Kindheit, geprägt durch große Entbehrungen. In seinen Aufzeichnungen erinnerte er sich auch an Strafen, die mit Knien auf Erbsen ihren Höhepunkt erreichten. "Doch habe ich total vergessen, weshalb ich knien musste."
Wäre Grützner nicht Maler und Zeichner geworden, er wäre als Seiltänzer in die Geschichte eingegangen. Denn nach einem Gastspiel einer Artistengruppe in seinem Heimatdorf ließ der Knabe keine noch so schmalen Latten aus, um sich in der Kunst des Balancierens zu üben. Und er soll es sogar zu erstaunlichen Leistungen gebracht haben. Der Drang zum Zeichnen jedoch war stärker. Keine weiße Wand und kein leeres Blatt Papier war vor seinen Zeichenstrichen sicher.
Im Jahr 1864 ließ er sich auf Vermittlung des Dorfpfarrers Fischer, der seine Begabung früh erkannt hatte, zum Studium an der Kunstakademie in München nieder. Seine Karriere entscheidend beeinflusst hat ein Besuch des Kloster Andechs. Bei dieser Gelegenheit lernte er den Braumeister und das klösterliche Leben kennen: "Ganz außergewöhnlich heimelte mich von je das Klosterleben an, und was ich davon zu sehen bekam und mit zu genießen Gelegenheit hatte, verstärkte meine Sympathie dafür."
Grützners erstes Klostergemälde "Die Klosterbrauerei" fand nicht nur die Anerkennung seines Lehrers Karl v. Piloty, sondern verschaffte ihm sofort auch einen Käufer. Von da an war sein Lebensweg gesichert.
Da er fleißig war und auch täglich malte, folgten Bilder auf Bilder, zumeist aus dem Jäger-, Kloster- und bürgerlichen Leben. Mannigfaltig, wie die unterschiedlichsten Typen des Künstlers, sind auch seine Milieus, die er schildert. Von den unendlich vielen Kellergewölben und Wirtsstuben, Kneipenwinkeln, Büchereien und Prälatenzimmer, die den Hintergrund seiner Bilder darstellen, gleicht keine Szene der anderen. Wie sich auch keiner seiner Charakterköpfe ähnelt.
Im Jahre 1886 nahm er eine Professur an der Kunstakademie in München an, 1916 wurde er geadelt. Damals wohnte Grützner in einer Villa in der 1917 nach ihm benannten Straße. Ein Fremdenbuch verweist noch heute darauf, wer in Grützners Villa ein und aus ging. Von den Fürsten des bayerischen Herrscherhauses fehlt kaum einer, von den Fürsten der Kunst stehen mehr noch darinnen.
Seine Biographie schließt Grützner mit den Worten: "Bis zur Stunde fühle ich mich frisch und arbeitsfreudig und hoffe weiter schaffen zu können, bis der unfehlbar Kommende mir freundlich auf die Schulter klopft und mir den Pinsel aus der Hand nimmt."
Eduard Grützner, dem in München die Ehrenbürgerschaft verliehen worden ist, ist am 3. April 1925 im Alter von 78 Jahren gestorben. Seine letzte Ruhe fand er im Alten Teil des Münchner Waldfriedhofs. Das ehemalige Bräustüberl aber in Andches wurde im Rahmen der Umbaumaßnahmen nach dem Krieg in Gedenken an den einstigen Stammgast in "Grützner-Stüberl" umgetauft." Uli Singer
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Eduard Theodor Grützner wurde 1846 als siebtes, und damit das jüngste Kind einer nicht gerade begüterten Bauernfamilie, in Großkarlowitz bei Neisse geboren. Der Ortspfarrer Fischer besuchte häufig das Elternhaus, da der Vater von Eduard Kirchenvorsteher war. Der Pfarrer hat früh das Talent und Neigung zur Malerei bei ihm erkannt. Schon als Hüterbub zeichnete er auf alles was ihm in die Hände fiel. Der Verwalter eines gräflichen Landsitzes aus der Nachbarschaft besorgte ihm Papier und freute sich, wenn der Junge neben den unzähligen Tier und Menschendarstellungen einen Dorfbewohner mit seinen Eigenschaften treffend zeichnete.

Der Pfarrer Fischer ermöglichte ihm den Besuch des Gymnasiums von Neisse, und brachte ihn mit Hilfe des Architekten Hirschberg zur künstlerischen Ausbildung nach München, indem er ihn 1864 an die Privatschule von Herman Dyck schickt.

An der Kunstgewerbeschule, bei dem Lehrer Hermann Dyck blieb er nicht lange. Schon im gleichen Semester wechselte er in den Antikenklasse der Akademie bei Johann Georg Hiltensperger und Alexander Ströhuber (1814–1882), wo die Studenten die Schönheitsideale des Altertums kennen lernen sollten.

1865 trat Grützner in die Malklasse von Hermann Anschütz an der Akademie ein. Nebenbei holt er sich Rat und Anregung bei Carl Theodor von Piloty, bis er 1867 in dessen Klasse aufgenommen wird.

Pilotys Klasse war überfüllt mit angehenden Künstlern aus aller Welt. »Am stärksten waren die Ungarn vertreten, Deutsche aus verschiedenen Windrichtungen, Russen, Polen und Griechen«. Drei Jahre später verlässt Grützner die Akademie, und 1870 bezieht er ein eigenes Atelier an. Er mietet sich in das Gartenhaus in der Schwanthalerstraße 18 in München ein. Rasch folgte ein Bild dem anderen.

 


Kellermeister


Kunsthändler


Falstaff, 1921

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http://www.ostdeutsche-biographie.de/grueed96.htm

"Daß ich immer und immer wieder Pfaffen male, daran trage ich die Schuld nur zum kleineren Theile. Bei jeder Ausstellung fast heißt es: 'Aber Pfaffen müssen's sein oder wenigstens einige davon darunter sein!' Male ich etwas anderes, sagen die Leute: 'es ist kein echter Grützner.' Was ist da zu thun?!" So schrieb Grützner in einem Brief im Jahre 1894. Sein erstes humoristisches Bild mit Klerikern malte er 1868. Obwohl sein Werkverzeichnis veranschaulicht, daß der Künstler auch andere Motive dargestellt hat, kommen in mehr als Dreiviertel seiner Werke Mönche vor. Die Idee dazu mag wohl in Grützners Jugend wurzeln. Als Meßdiener und Chorsänger wirkte er beim Gottesdienst in der Dorfkirche seines Heimatortes mit und hielt sich oft im dortigen Pfarrhaus auf. An den Ortsgeistlichen Pfarrer Fischer erinnerte er sich dankbar bis zum Lebensende. Auch rissen seine Verbindungen zu Klerikern nie ab. Ihnen verdankte er vielfältige Anregungen für seine Bildkompositionen.

Eduard Theodor Grützner wurde als siebtes und letztes Kind einer nicht gerade begüterten Bauernfamilie in Groß Karlowitz bei Neisse geboren. In der Autobiographie, die bis zum Jahre 1884 reicht, berichtet er von seiner entbehrungsreichen Jugend. Früh erkannte Pfarrer Fischer das zeichnerische Talent des Knaben und förderte es, indem er sich für Grützners Besuch des Gymnasiums in Neisse einsetzte. Die zunehmende Freude am Zeichnen führte dazu, daß Grützner die übrigen Schulpflichten vernachlässigte. Verwandtschaftliche Beziehungen zu Baumeister Hirschberg in München nutzend, ließ Pfarrer Fischer eine Talentprobe Grützners Carl Theodor von Piloty zukommen. Dieser -  seit 1856 Professor an der Münchner Kunstakademie - beurteilte Grützners Zeichnungen positiv, und so begann Grützner 1863 ohne Abitur mit der Ausbildung in München.

An der dortigen Kunstakademie absolvierte er die damals üblichen Ausbildungsstationen bei den Professoren Hermann Dyck, Georg Hiltensperger, Alexander Strähuber und Hermann Anschütz, bis er 1867 Aufnahme in die Meisterklasse des Historienmalers Piloty fand. Grützners erstes selbständig entworfenes Gemälde Im Klosterkeller (1868) sollte typisch für sein späteres malerisches Werk sein. Das humorvoll aufgefaßte klösterliche Leben wurde zum zentralen Gegenstand seiner Malerei. Für diese Art von Genrebildern bezeichnete Fritz von Ostini den "schaffenden Humor" des Künstlers als die treibende Kraft.

Noch keine zweiundzwanzig Jahre alt, genoß Grützner mit seiner Malerei nicht nur Popularität; er hatte auch finanziellen Erfolg. Der anhaltende Geldsegen ermöglichte es ihm, seiner Sammlerleidenschaft nachzugehen und das von Baumeister Leonhard Romeis für ihn errichtete Stadthaus in der Nähe des Maximilianeums in München weitgehend im gotischen Stile einzurichten. Die kostbaren Antiquitäten wurden nicht museal in den Räumen plaziert, sondern waren auch zum täglichen Gebrauch bestimmt. Der wirtschaftliche Erfolg mag erklären, warum sich Grützner neben dem Themenkreis "Klosterleben" auch den Themenkreisen "Theatergarderobe" und "Wirtshausszene" zugewandt und sie wiederholt variiert hat. Es wäre aber unredlich, wollte man Grützners delikat gemalte Blumenbilder und die meisterlichen Kreidezeichnungen, karikierende Porträts von Persönlichkeiten des Münchner Kunst- und Geisteslebens, nicht erwähnen.

Dem gebürtigen Oberschlesier blieb die verdiente Anerkennung nicht versagt. 1885 wurde er Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste, 1886 wurde ihm der Professorentitel verliehen, und anläßlich seines 70. Geburtstages erhielt er 1916 von König Ludwig III. von Bayern den persönlichen Adelstitel und wurde Ritter des königlichen Verdienstordens der Bayerischen Krone.

Obwohl Grützner eine gediegene Ausbildung erfahren hatte und ein technisch ungewöhnlich begabter Künstler war, heißt es im Cicerone geringschätzig in einem Nachruf auf ihn: "...der gebürtige Schlesier hat in München seine zweite Heimat gefunden, die ihm jenen Ruf von Popularität eintrug, der immer das Gegenteil von künstlerischer Qualität ist. Ein Maler, der zeitlebens nur den Bruder Kellermeister, zechende Mönche gemalt hat..." Dagegen begründete Grützner selbst in seiner Autobiographie die Themenwahl folgendermaßen: "Die Klöster bewahren uns in erster Linie die Klassiker vor dem Untergange, waren in Zeiten der ärgsten Verrohung die Zufluchtsstätten der Künste und Wissenschaften und haben uns auch die Weinkultur überliefert. Zu dem allen kommt die malerische Gewandung und interessante Interieurs."

Lit.: Eduard von Grützner. Eine Selbstbiographie. Hrsg. v. Hugo Schmidt, München 1922. -  Fritz von Ostini: Grützner. Bielefeld-Leipzig 1902 (Knackfuß-Künstlermonographien 58). -   Jugend. Münchner Illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben., Jg. 1903.  -  A. Freund: Eduard Grützners Kindheit und Heimatdorf. In: Der Oberschlesier 7 (1925). S. 68-71. -  Sammlung Eduard von Grützner. Hrsg. v. A. Feulner, München 1930.
       Waldemar Zylla