Kretschmer, Otto

 

 

*        1.05.1912, Heidau (Liegnitz)
       5.08.1998, Straubing (Unfall)

 

 

Ritterkreuzträger. Eichenlaubträger. Schwerterträger. Flottillenadmiral. U-Boot Ass
"Tonnage-König"
Chef des Stabes des Nato-Kommandos COMNAVBALTAP

 Der erfolgreichste U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg.
Ritterkreuz   (4.08.1940)
Eichenlaub   (4.11.1940)
Schwerter  (26.12.1941) als erstem Marineoffizier

Otto Kretschmer konnte insgesamt 46 Schiffe mit 273.073 BRT versenken und 5 Schiffe mit 37.965 BRT beschädigen. Diese Zahl blieb trotz seiner frühen Gefangennahme bis zum Ende des Krieges unerreicht. Er gilt deshalb als der Tonnagekönig des Zweiten Weltkrieges.


Otto Kretschmer trat 1930 als Seekadett in die Reichsmarine ein. Er wurde auf dem Segelschulschiff Niobe und dem Leichten Kreuzer Emden ausgebildet. Am 1. Oktober 1934 wurde er Leutnant zur See. Es folgte ein Bordkommando auf dem Leichten Kreuzer Köln. Im Januar 1936 wechselte er zur U-Boot Waffe. Hier diente er auf U 35 als Wachoffizier und nahm an Einsätzen in spanischen Gewässern teil. Am 1. Oktober 1937 wurde Oberleutnant zur See Kretschmer Kommandant des II B Bootes U 23.

Mit diesem Boot begann für Kretschmer der Krieg. Bis Februar 1940 konnte er auf acht Einsätzen insgesamt 7 Schiffe mit 26.249 BRT sowie den britischen Zerstörer HMS Daring (1375 ts) versenken. Am 18. April übernahm Kretschmer, seit dem 1. März Kapitänleutnant, das VII B Boot U 99. Mit diesem Boot versenkte er auf weiteren acht Feindfahrten 38 Schiffe mit 244.658 BRT, darunter drei bewaffnete Hilfskreuzer. Ein weiteres Schiff wurde ihm als Prise zuerkannt. Am 4. August 1940 bekam er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und am 4. November, als zweiter U-Boot Kommandant, (nach Günther Prien) das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Auf seiner letzten Fahrt operierte U 99 zunächst mit U 47 (Günther Prien) am 7. März 1941 auf das Geleit OB-293. U 47 ging bei diesem Angriff aus ungeklärter Ursache verloren. U 99 konnte zwei große Schiffe versenken, bevor es abgedrängt wurde. Am 16. März sichtete U 110, unter Führung von Kapitänleutnant Fritz Julius Lemp, südöstlich von Island den Geleitzug HX-112. U 37 (Nikolai Clausen), U 99 und U 100 (Joachim Schepke) schlossen heran und bildeten ein sog. „Wolfsrudel“, welches am späten Abend angriff. U 99 konnte als einziges Boot erfolgreich in den Konvoi eindringen und 5 Schiffe versenken sowie ein weiteres torpedieren. Dann waren alle Torpedos verschossen und U 99 lief ab. Gegen 03.00 Uhr, am 17. März, stieß es, schon weitab vom Geleit, auf die Zerstörer HMS Walker und HMS Vanoc. Diese hatten nach langer Verfolgung gerade U 100 versenkt. U 99 tauchte weg, wodurch es von HMS Walker mittels ASDIC Ortung überhaupt erst bemerkt wurde. Nach mehreren Wasserbombenangriffen musste U 99 schwer beschädigt auftauchen. Weil die Schrauben blockiert waren, musste Kretschmer sein Boot aufgeben. Die Besatzung ging über Bord. Drei Männer, darunter der "'L.I." Schroeder, kamen ums Leben. Der Rest wurde vom Zerstörer HMS Walker aufgenommen. Kretschmer wurde zunächst nach England gebracht. Dort erhielt er die Nachricht über seine in Deutschland ausgesprochene Beförderung zum Korvettenkapitän. Am 26. Dezember wurden ihm, als erstem Marineoffizier, die Schwerter zum Eichenlaub verliehen. 1942 kam er nach Kanada. Im Dezember 1947 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Nach dem Krieg studierte Kretschmer zunächst Jura und betätigte sich als Dolmetscher. 1956 trat er als Fregattenkapitän in die Bundesmarine ein. Nach 1962 gehörte Kretschmer zum NATO-Kommandostab. Acht Jahre später, 1970, schied er als Flottillenadmiral aus dem militärischen Dienst aus. Er arbeitete danach als militärischer Berater. Am 2. August 1998 erlitt Kretschmer in Straubing/Bayern, nach einem Sturz von einer Schiffsgangway auf die Mole, schwere Kopfverletzungen, an deren Folgen er drei Tage später verstarb.

Otto Kretschmer konnte insgesamt 46 Schiffe mit 273.073 BRT versenken und 5 Schiffe mit 37.965 BRT beschädigen. Diese Zahl blieb trotz seiner frühen Gefangennahme bis zum Ende des Krieges unerreicht. Er gilt deshalb als der Tonnagekönig des Zweiten Weltkrieges. Kretschmer machte, im Gegensatz zu Joachim Schepke und Prien, über seine Erfolge nie viel Aufhebens und trat auch in der Propaganda kaum in Erscheinung. Man nannte ihn deshalb „Otto den Schweigsamen“.
 



Auszeichnungen
U-Boot-Kriegsabzeichen (1939) mit Brillanten
Eisernes Kreuz (1939) 2. und 1. Klasse
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern
Ritterkreuz (4. August 1940)
Eichenlaub (4. November 1940)
Schwerter (26. Dezember 1941)

Literatur
Terence Robertson: Der Wolf im Atlantik, Weltbild Verlag, ISBN 3-89350-695-0
Bodo Herzog: Otto Kretschmer, Patzwalk Verlag, ISBN 3-93153-344-1
Rainer Busch/Hans Joachim Röll: Der U-Boot Krieg 1939–1945 (Band 3), Mittler Verlag, ISBN 3-8132-0513-4

 


 

Nach seiner Schulausbildung, u.a. in Exeter in England, wurde Otto Kretschmer Anfang April 1930 Offiziersanwärter bei der Reichsmarine. Er wurde für drei Monate auf das Segelschulschiff Niobe und mehr als ein Jahr auf den leichten Kreuzer Emden kommandiert. Am 1. Januar 1942 wurde er zum Fähnrich zur See befördert und am 1. April 1934 zum Oberfähnrich zur See. Als Leutnant (seit dem 1. Oktober 1934) wurde er im Dezember 1934 auf den leichten Kreuzer Köln versetzt Im Januar 1936 wechselte er zur U-Boots-Waffe über. Dort absolvierte er seine solide Kommandantenausbildung, bevor er am 31. Juli 1937 als Oberleutnant (seit dem 1. Juni 1936) das Kommando über U-35 übernahm. Das Kommando gab er am 15. August 1937 wieder ab, um am 1. Oktober 1937 U-23 zu übernehmen. Am 1. Juni 1939 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Zwischen dem 3. September 1939 und dem 1. April 1940 absolvierte Kretschmer acht Feindfahrten mit U-23, bis er das Boot abgab und zur Baubelehrung auf die Germania-Werft ging. Für die Erfolge mit U-23 hatte er am 4. August 1940 das Ritterkreuz erhalten. Das Eichenlaub erhielt er für die Versenkung von zwei Hilfskreuzern "Laurentic" und "Patroclus" mit zusammen 30.038 BRT. Versenkung am 03.11.1940 vor Mitternacht und am 04.11.1940 nach Mitternacht. Am 18.4.1940 übernahm er das neue Boot U-99. Nach zwei Monaten Probefahrten ging es im Juni 1940 auf die erste Feindfahrt mit U-99. Während seiner zweiten Feindfahrt gelangen Kretschmer die Versenkungen der Laurentic (18.724 Tonnen), Patroclus (11.314 Tonnen) und Forfar (16.402 Tonnen). Für diese Erfolge wurde er am 1. März 1941 zum Korvettenkapitän ernannt. Am 17. März 1941 wurde U-99 süd-östlich von Island durch den britischen Zerstörer HMS Walker versenkt, 40 Mann und Otto Kretschmer konnten das Boot verlassen und gerieten in Gefangenschaft. Auf seinen Feindfahrten hatte er 47 Schiffe mit 27.4333 Tonnen versenkt und sechs Schiffe mit 47.119 Tonnen beschädigt. In der Gefangenschaft gelang es ihm, über seine Heimatpost Kontakt zum BdU herzustellen und Informationen nach Deutschland zu schicken. Am 1. September 1944 wurde er in Gefangenschaft zum Fregattenkapitän befördert, am 26. Dezember 1941 wurden ihm die Schwerter verliehen, die ihm durch das Rote Kreuz überreicht wurden.

Nachdem er 1947 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, trat er 1955 in die Bundesmarine ein und wurde 1957 Kommandeur des 1. Geleitgeschwaders. Im November 1958 wurde er Kommandeur der Amphibischen Streitkräfte. Ab 1962 wurde er in verschiedenen Stabs-Stellungen verwendet, bis er im März 1965 Chef des Stabes des Nato-Kommandos COMNAVBALTAP wurde. 1970 ging er als Flottillenchef in den Ruhestand. Er starb 1998 in Bayern nach einem Unfall.
 

Massenmedien der BRD übergingen seinen Tod zumeist.   Der „Daily Telegraph" (London) notierte hingegen: 
„ Seine Laufbahn war Beweis seiner Tapferkeit und seines Scharfsinns. Sein Auftreten und Benehmen waren die eines Offiziers und Gentlemans".


The Aces of the Deep
were the ten German U-Boat commanders during World War II who sank the most enemy merchant ships during their naval services, ranked according to the total tonnage of the ships they sank. The term is related to flying ace, a World War I name for a pilot who shot down five or more enemy planes. The currently accepted list is as follows: