Zimerman, Christian (Krystian)
Zimmermann ?

 

 

 

 *       5.12.1956, Hindenburg
†  

 

  Pianist

Eltern
Deutschstämmig:
Vater, Pianist, Horst Z.† 2.2002 in Kattowitz
Mutter, Anneliese Z. †, 5.1986

Zimerman studierte an der Musikhochschule Kattowitz und gewann 1975 den Warschauer Chopin-Wettbewerb. Außerdem wurde er mit dem Sonderpreis der Chopin-Gesellschaft ausgezeichnet.

Er arbeitete seit dem mit bedeutenden Dirigenten wie Herbert von Karajan, Leonard Bernstein, Seiji Ozawa und Sir Simon Rattle zusammen und schloss Bekanntschaft mit seinem großen Künstlerkollegen am Klavier, Arthur Rubinstein. Den größten Einfluss auf ihn aber hatten nach eigenem Bekunden die Dirigenten Kirill Kondraschin und Carlo Zecchi sowie der polnische Theaterregisseur Tadeusz Kantor, der ihm Mittel der Kommunikation mit einem vielsprachigen Ensemble aufzeigte, welche Zimerman bei seiner Zusammenarbeit mit Orchestern nützlich waren.

Äußerst selbstkritisch, zog er diverse frühe Plattenveröffentlichungen wieder zurück, weil sie den eigenen hohen Standards nicht mehr genügten. Die Folge war, dass seine wenigen erhältlichen Einspielungen oft zu den Referenzen auf dem Markt zählen, so z.B. seine Interpretationen von Debussys "Préludes", der Klavierkonzerte, des Totentanzes und der h-Moll-Sonate von Liszt sowie jüngst die Konzerte Nr. 1 und 2 von Rachmaninow.

Zimerman gibt nicht mehr als 50 Konzerte pro Jahr, was nach seinen eigenen Angaben nicht kostendeckend ist.

Zimerman tritt in unregelmäßigen Abständen auch als Dirigent in Erscheinung. Nach dem Tode Leonard Bernsteins, mit dem er eine Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Beethovens in Angriff genommen hatte, vollendete er die Einspielungen der noch fehlenden ersten beiden Konzerte in und übernahm dabei auch die Aufgaben des Dirigenten.

Dieses "Experiment" wiederholte er im Jahre 1999: durch die Gründung des Polish Festival Orchestras zu Chopins 150. Todestag. Zusammen mit den jungen, ausschließlich polnischen Musikern ging Zimerman auf Tournee – ausschließlich mit den beiden Konzerten in e-Moll op. 11 und f-Moll op. 21, die er anschließend auf CD einspielte.

Krystian Zimerman leitet eine Meisterklasse an der Musikhochschule Basel

 

----------------------------------------------------

Zimerman erhielt bereits mit 5 Jahren seinen ersten Klavierunterricht von seinem Vater, einem Pianisten (Horst Z.) . Zwei Jahre später wurde er ein Schüler von Andrzej Jasinski, der ihn bis zum Ende seines Studiums betreuen sollte. 1973 gewann er den Internationalen Ludwig-van-Beethoven-Pianistenwettbewerb in Königgrätz (Hradec Kralove). Seine internationale Karriere begann 1975 mit dem Gewinn des ersten Preises des FREDERIC-CHOPIN-PIANISTENWETTBEWERBES. 1976 lud ihn Arthur Rubinstein nach Paris ein. Diese Begegnung sollte einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des jungen Künstlers haben.

Krystian Zimerman trat mit vielen ausgezeichneten Orchestern auf und arbeitete mit so berühmten Dirigenten wie Claudio Abbado, Leonard Bernstein, Pierre Boulez, Herbert von Karajan, Bernard Haitink, Seiji Ozawa, Lorin Maazel, Riccardo Muti, Zubin Mehta, André Previn, Stanislaw Skrowaczewski und Simon Rattle zusammen sowie mit Solisten wie Kaja Danczowska, Kyung-Wha Chung und Gidon Kremer.

Zimermans Aufnahmen erscheinen exklusiv bei der Deutschen Grammophon, für die er bereits 22 Schallplatten einspielte, die mehrfach mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurden. Sein Repertoire umfasst Werke von Frederic Chopin, Franz Liszt, Franz Schubert, Johannes Brahms, Edvard Grieg, Béla Bartok sowie die Kammermusik von César Franck und Karol Szymanowski. 1985 erhielt er den Preis der Accademia Chigiana in Siena als bester junger Musiker des Jahres und 1994 den Preis der Leonie-Sonning-Stiftung in Kopenhagen. 2005 erhielt er bei der ersten Verleihung der MIDEM Classical Awards den Preis in der Kategorie Orchestermusik für seine Einspielung der Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 von Sergej Rachmaninow. Seit 1984 lebt er in Basel und leitet dort die Meisterklasse für Klavier. 1999 gründete er das POLISH FESTIVAL ORCHESTRA - ein Kammerorchester, das mit einer großen Tournee anlässlich des 150. Todestages von Frederic Chopin einen weltweiten Erfolg feierte.

Wohl keinem anderen Preisträger des Chopin-Wettbewerbes gelang eine ähnlich spektakuläre Karriere wie Krystian Zimerman. Nicht immer garantiert ein Sieg in einem Musikwettbewerb - und sei er noch so bedeutend - auch einen anschließenden Erfolg. Tatsächlich wird ein solcher Erfolg sogar immer seltener, was offensichtlich auch mit der zunehmenden Anzahl von Wettbewerben zusammenhängt. Unter den Preisträgern des Chopin-Wettbewerbes ist Krystian Zimermans Karriere wohl nur mit der von Martha Argerich vergleichbar. Bei einem solchen Vergleich werden jedoch Unterschiede sichtbar, die in erster Linie mit den Persönlichkeiten Zimermans und Argerichs zusammenhängen. Martha Argerich handelt - so scheint es zumindest nach außen - meist spontan, zumindest jedoch ohne jeden ihrer Schritte vorher genau abzuwägen. Die Aktivitäten Krystian Zimermans hingegen sind genau durchdacht und sorgfältig geplant. Zudem sind sie wesentlich seltener - Zimerman tritt nicht oft ins Scheinwerferlicht, er beschränkt seine Bühnenauftritte und macht nur wenige Plattenaufnahmen. Somit wird jede seiner künstlerischen Aktivitäten ungeduldig erwartet und aufmerksam rezipiert.

So war es auch 1999, als Zimerman sich entschloss, dem 150. Todestag Frederic Chopins auf besondere Weise zu gedenken.
"Ich habe mich entschlossen im kommenden Jahr eine Reihe von Konzerten in Westeuropa, in Polen und in den USA zu geben, auf denen ich die beiden Konzerte Frederic Chopins spielen möchte" kündigte Krystian Zimerman am 29. Oktober 1998 auf einer Pressekonferenz an, zu der er eigens - nach mehrjähriger Abwesenheit aus Polen - nach Warschau geflogen war. "Ich hatte die Ehre, diese beiden Werke mit den bedeutendsten polnischen und ausländischen Dirigenten zu spielen. Von jedem von ihnen habe ich etwas gelernt, ich sammelte unterschiedliche Ideen und verband sie mit einer eigenen Vision der Konzerte Chopins, die langsam feste Gestalt annahm. Schließlich gelangte ich zu der Überzeugung, dass ich sie gerne 'von A bis Z' selbst machen würde, angefangen mit dem 'Machen' eines neuen Orchesters. Vielleicht ist Ihnen bereits aufgefallen, dass heutzutage alle Orchester ziemlich ähnlich spielen. Am Klang allein lässt sich heute kaum noch erkennen, ob es sich um ein Orchester aus Paris, New York oder Tokio handelt. Die Schallplattenindustrie hat die Interpretationen sozusagen 'globalisiert'. Mir persönlich fällt es schwer, bestimmte Klangmerkmale in bestehenden Orchestern wiederzufinden. Außerdem proben Orchester nur ungern, ich hingegen liebe es zu proben, und das sogar wochenlang. Also dachte ich mir, ich müsste eine Handvoll Leute finden, die diese Freude am Experimentieren mit mir teilen würden, um gemeinsam mit ihnen etwas zu probieren, das ein Konglomerat aus all meinen Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre sein würde."
Und so geschah es. Nach einem langwierigen Auswahlverfahren, an dem Krystian Zimerman persönlich teilnahm, entstand das POLISH FESTIVAL ORCHESTRA, das sich aus jungen polnischen Musikern zusammensetzte. Der große Pianist leitete unzählige Proben und gab über 30 Konzerte in den großen musikalischen Zentren Europas, in vier polnischen Städten und in den Vereinigten Staaten, unter anderem in der Carnegie Hall. Die Auftritte Krystian Zimermans sorgten überall für großes Aufsehen. In der Salle Pleyel in Paris musste das Konzert wiederholt werden. Im August 1999 machte die Deutsche Grammophon im Giovanni Agnelli Auditorium in Turin eine Aufnahme der beiden Konzerte Chopins, die wenige Wochen später auf CD erschien und augenblicklich um die ganze Welt ging. Die Interpretation Krystian Zimermans rief unterschiedlichste Reaktionen hervor - von überschwänglichem Enthusiasmus bis hin zum Vorwurf der Blasphemie.

Tatsächlich wich die Interpretation der beiden Konzerte Chopins in mancherlei Hinsicht ganz grundlegend von den allgemein anerkannten Standards ab. So herrscht zum Beispiel die Ansicht vor, Chopins Orchestersätze seien nur eine nicht besonders gelungene Beigabe zu seinen Klavierparts. Manche behaupten augenzwinkernd, Chopin sei kein Meister der Instrumentation gewesen und habe Stimmen geschrieben, die unbequem zu spielen seien: die Bläsersätze seien in einer falschen Tonlage geschrieben und die Streicher müssten manche Töne so lange halten, bis ihnen die Arme schmerzen... Eine solche Beurteilung der Chopinschen Orchestersätze verleitet zu einer Aufführung seiner Konzerte als Klavierstücke mit Orchesterbegleitung, bei denen das Orchester weitgehend unabhängig vom Pianisten spielt. Dies bedeutet jedoch eine Missachtung der Ganzheitlichkeit dieser Werke, die von Chopin schließlich als Konzertstücke gedacht waren: bei aller Vorrangigkeit des Klavierparts sollten Orchester und Solist doch zusammen spielen. Die Werke Chopins erfordern von den Aufführenden eine besondere Sensibilität - für Orchester, die lediglich ein Akkompagnement 'abspulen' sollen, mag sie tatsächlich eine undankbare und langweilige Aufgabe darstellen. Die Musik Chopins muss man spüren, man muss sich ihr öffnen - und das ist keine leichte Aufgabe für ein Orchester. Nur in den besten Aufführungen offenbart sich die ganze Schönheit der Orchestersätze und der subtile Zauber des Dialogs zwischen Klavier und Orchester. Meist jedoch erscheint das Klavier vor dem Hintergrund einer gestaltlosen Klangmasse, in der die einzelnen Stimmen zusammenfließen und die so den besonderen Reiz der Chopinschen Instrumentation zunichte macht.

Egal ob einem die Interpretation Krystian Zimermans nun gefällt oder nicht, unbestritten ist jedoch, dass in seinem Vortrag dem Orchester eine mehr als nur begleitende Funktion zukommt. Vor ihm hat wohl niemand das Orchester so stark in die Realisierung der Chopinschen Musik mit einbezogen. Krystian Zimerman ist es außerdem gelungen ein äußerst feinfühliges Ensemble zusammenzustellen und zusammen mit diesem die Musik Chopins auf eine besonders emotionale Weise zu interpretieren. Diese Interpretation weicht an vielen Stellen und in vielerlei Hinsicht von unseren Hörgewohnheiten und womöglich sogar vom Kanon des Chopinschen Stils ab. Missbraucht Krystian Zimerman also das Recht des Interpreten auf die individuelle Ausdeutung des musikalischen Werkes? (Ohne diese Frage beantworten zu wollen weisen wir darauf hin, dass er sogar Eingriffe in den Notentext vornimmt, wie z. B. das Hinzufügen von acht Takten im Finale des Allegro maestoso des I. KLAVIERKONZERTES E-MOLL OP. 11...).

Polskie Centrum Informacji Muzycznej
Zwiazek Kompozytorow Polskich
Dezember 2001


2005 wurde Krystian Zimerman der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen. Die Verleihung fand am 24. Januar 2005, dem Tag der Eröffnung der MIDEM, in Cannes statt und wurde vom französischen Kultusminister Renaud Donnedieu de Vabres vorgenommen.

© Copyright by Adam Mickiewicz Institut